Ort der Begegnung und des Zuhörens
Einweihung der Trauerbank sowie der Skulptur „Offenes Ohr“ auf dem
Wieslocher Hauptfriedhof
Wiesloch. (RNZ) Auf dem Hauptfriedhof in Wiesloch ist ein besonderer Ort für Trauernde entstanden: Eine neu eingerichtete Trauerbank und weitere Sitzmöglichkeiten im Bereich des Birkenhains laden dazu ein, innezuhalten, zu verweilen und miteinander ins Gespräch zu kommen. Initiiert wurde das Projekt von der Ökumenischen Hospizhilfe Südliche Bergstraße, die dabei auf breite Unterstützung der Stadt Wiesloch traf.
Die Umsetzung erfolgte in enger Zusammenarbeit mit der Friedhofsverwaltung: Vom städtischen Team begleiteten Martina Molitor und Matthias Degen die Planung ebenso wie Johann Schweigler, der bei der Stadtgärtnerei für die Friedhöfe zuständig ist. Gemeinsam wurde ein geschützter und zugleich offener Bereich geschaffen, der den Bedürfnissen trauernder Menschen gerecht werden soll.
Bei der Einweihung betonte Bürgermeister Ludwig Sauer die besondere Bedeutung des Projekts: Die Trauerbank stehe sinnbildlich für ein „offenes Ohr“ – für das Zuhören, das Mitfühlen und das Miteinander ins Gespräch kommen.
Als die Ökumenische Hospizhilfe vor rund zwei Jahren mit ihrer Idee auf die Stadt zukam, habe man sofort ein ebenso offenes Ohr gehabt, hob Sauer hervor. Gemeinsam sei der passende Ort ausgewählt und als Platz der Trauer und Begegnung gestaltet worden. Besonders freute sich der Bürgermeister darüber, dass zahlreiche Mitglieder der Hospizhilfe zur Einweihung gekommen waren. Sein Dank galt stellvertretend der Vorsitzenden Anne Böhler sowie dem gesamten Team der Trauerbegleiterinnen und Trauerbegleiter.
Passend zur Trauerbank entstand zudem die Idee eines Kunstwerks: eine Skulptur des „offenen Ohres“, die gemeinsam mit der Bank ein stimmiges Gesamtbild bildet.
Für Anne Böhler unterstreicht der neue Ort die wichtige Aufgabe der Hospizhilfe: „Wir alle wissen, wie unterschiedlich sich Trauer äußern kann.“ Die Organisation begleite nicht nur Sterbende, sondern auch deren Angehörige – oft weit über den Tod hinaus. Die Trauerarbeit nehme dabei einen immer größeren Stellenwert ein.
15 qualifizierte Trauerbegleiterinnen und Trauerbegleiter stehen derzeit zur Verfügung, wie Anne Böhler darlegte. Einige von ihnen bieten von April bis Oktober jeweils am ersten und dritten Mittwoch im Monat vor Ort am Friedhof Gespräche an. Das Angebot ist bewusst niederschwellig gehalten: Jeder kann sich auf der Trauerbank dazusetzen, zuhören oder selbst sprechen – mit den Begleitenden oder auch mit anderen Trauernden.
„Menschen brauchen Menschen, die ein offenes Ohr haben“, so Böhler. Die neue Trauerbank schaffe dafür einen würdevollen Rahmen – einen Platz, an dem Austausch entstehen kann und niemand mit seiner Trauer allein bleiben muss.
Auch außerhalb der festen Termine kann die Trauerbank jederzeit genutzt werden. Sie lädt dazu ein, zur Ruhe zu kommen, Erinnerungen nachzuhängen oder spontan mit anderen ins Gespräch zu kommen. Hinweise zu den Gesprächsangeboten sind im Schaukasten des Friedhofs vor Ort zu finden.
Foto: Pfeifer


